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Wald 4tel Classic - Chronik einer neuen "Erfahrung"

Angefangen hat es im Winter 2005. Michi Rohrmoser suchte eine/n BeifahrerIn für eine unbekannte Veranstaltung im Osten des Landes und Edith ist mitgefahren. Das Ergebnis war ein beachtenswerter dritter Platz und die neu entdeckte Liebe zu Winterrallyes.

 

Da wir bis dato noch erfolglos versuchten, ein Winterauto zu erstehen, kam uns das selbstlose und überraschende Angebot des Veranstalters, uns seinen rallye-erprobten Amazon zur Verfügung zu stellen, gar nicht ungelegen. Die Vorfreude war mindestens so groß wie die Frage, ob ich denn mit dem Auto zurechtkommen würde. Schon bei der Probefahrt mit dem 130 PS Boliden, der mit Spikes und Sperrdifferential, aber ohne ESP, ABS etc. ausgestattet ist, erklingen eigenartige Geräusche aus der Richtung der Beifahrerin, die mich zur Verringerung des Tempos bewegen sollen. Zugegeben, es ist schon etwas ungewohnt, beim Gasgeben auf der Geraden quer daher zu kommen – aber extrem lustig.

 

Der Start zur Nachtetappe soll um 22:01 Uhr erfolgen. Zeit genug um mich nach dem Abendessen mit Schüttelfrost, Pullover und Daunenjacke mit zwei Decken ins Bett zu legen, das Ergebnis einer wohl doch noch nicht ganz ausgeheilten Verkühlung. Rallye oder nicht war da noch nicht ganz klar. Aber die startenden Motoren von teils hochkarätigem Rallyegerät bringen mich schnell wieder auf den Damm. Die erste Etappe besteht hauptsächlich aus Eingewöhnen. Edith ist mit Lesen des Roadbooks beschäftigt, somit kommen vom Beifahrersitz nicht mehr so viele Anordnungen, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Plötzlich tauchen hinter einer Kurve Rücklichter auf. Das wird doch nicht Micky mit dem Lada sein? Da müssen wir ran, noch etwas später bremsen, mehr das Heck anstellen, siehe da, der große, schwere Volvo macht das lammfromm mit, wir kommen näher! Plötzlich sind wir ganz dran – Micky reversiert, und auch wir realisieren, dass wir in der Hitze des Gefechts eine Abzweigung verpasst haben.

 

Die Etappenzeiten sind so "großzügig" bemessen, dass wir dadurch gleich einmal 3 Minuten verlieren. Da es tagsüber recht warm war, und jetzt maximal -8° herrschen, ist für Kurzweil, den Fahrbahnbelag betreffend, gesorgt. Asphalt mit zentimeterdicker Rollsplittauflage und blankes Eis geben sich hinter jeder Kurve die Hand, besonders bergab mit doppelten Leitplanken, gewürzt durch das Sperrdifferential, eine Herausforderung. Viel zu früh kommt das Ende der Nachtwertung.

 

Beim anschließenden Blunzengröst´l erfahren wir, dass die weitgereisten Vorarlberger – Siegi Kohla und Frau – schon am Hauptplatz in Ysper bei der 2. Kurve eine ganze Minute Rückstand aufgerissen haben und postwendend wieder abgereist sind. Sie haben offensichtlich nicht damit gerechnet, das Roadbook erst in der Startminute ins Auto reingereicht zu bekommen - eine weitere Spezialität des Veranstalters.

 

Am nächsten Tag geht's um 10 Uhr und bei schönstem Wetter –zunächst lt. Roadbook – und dann aber hinterlistig mit auf 3 Blättern aufgeteilten Straßenkarten und aufgeklebten roten Pfeilen, („welche in logischer Reihenfolge zu befahren sind“), durch das wunderschöne und wenig besiedelte Waldviertel weiter…. Nur gut, dass wir am Vorabend nicht zuviel vom Wein des Hausherrn getrunken haben!

 

Nach dem Mittagessen folgen noch 2 Etappen über 80 + 110 km mit wieder auf 8 Seiten verteiltem Kartenwerk, da hat die Beifahrerin heftig was zu tun und genießt mittlerweile die langgezogenen Drifts, nebenbei sind noch die Baumaffen und Stempelkontrollen ganz schön listig verteilt und bösartige Schneewächten bespringen uns von rechts und links, dank Hannes` Hilfe befreien wir uns wieder und hoffen, dass wir des Veranstalter´s Auto nicht irgendwo verbiegen. Mittlerweile keimt die Hoffnung auf einen vorderen Platz leise auf, weil in der Mittagspause alle Teams, die am Vortag vor uns waren, von den verschiedensten Katastrophen berichteten. Auch Gert Pierer bleibt davon nicht verschont und gräbt sich ausgerechnet in der letzten Kurve derart heftig in den Schnee ein, dass ihn nur ein Allradfahrzeug wieder befreien konnte.

 

Im Ziel werden wir mit einem Schnaps für die Entbehrungen belohnt. Bei der Siegerehrung kristallisiert sich dann heraus, dass wir ganz „oben“ stehen und den Wanderpokal, den im Vorjahr Pierer/Matzelberger gewonnen haben, wieder nach Salzburg mitnehmen dürfen. Gewinner der 2. Käferkristallkugeln wurden Micky Hölzl mit Beifahrer Hannes „John Boy“ Esterbauer auf einem heißen Lada 1200.

 

 

 

Als Fazit bleibt eine wunderbare Veranstaltung für die, die es ein wenig schneller lieben, bei der zum Glück nichts Ernsthaftes passiert ist und ein dickes Lob und Dankeschön an Andi Starkmann und sein Team.

 

Bericht von Manfred PLEDL und Edith LUTZ