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Manfred Pledl über die Donau Historik 2010

Mitleid ist das erste Wort, das mir einfällt, wenn ich an die 3. Donauhistoric Rallye denke. Und zwar Mitleid mit denen, die nicht mitfahren konnten oder wollten, weil sie kein Auto, keinen Fahrer oder Beifahrer, keine Zeit oder einfach keine Lust hatten. 

Mitleid auch mit Andi Starkmann, Gerhard König und Robert, weil sie nur vier startende Teams hatten. 

Mitleid auch ein wenig mit mir, weil ich auf der falschen Seite saß. Mitleid auch mit meinem Fahrer, Peter Wenger, weil eben ich am Beifahrersitz saß. Natürlich ist dieser Absatz nicht wirklich ernst gemeint, obwohl, ein wenig mehr Teams hätte sich diese wirklich großartige Veranstaltung schon verdient. Im Vergleich zu den ersten beiden Jahrgängen, die ja von der reinen Lehre der Geschwindigkeit geprägt waren, haben Starkmann und König das Tempo etwas herausgenommen. Der Großteil der Rallye war nach Karte zu fahren, und wie bisher sollten wir mit dem Fotoapparat möglichst viele richtige Aufnahmen machen. Zusätzlich gab es fünf Sonderprüfungen mit geheimen Durchfahrtskontrollen und 50-er Schnitt. Das Nichtbefahren dieser Prüfungen, die samt und sonders auf ehemaligen Rallye-SP’s stattfanden, wurde mit 7200 Punkten gleich 2 Stunden bestraft, einfach deshalb, weil Andi wollte, dass wir dort durchfahren und die Strecken genießen sollten. Ein Genuss war es dann auch, meistens verbunden mit der Erleichterung, den Einstieg gefunden zu haben. Man muss sich das so vorstellen, dass auf einer 1:150.000 Karte der kürzeste Weg zwischen 2 Fotografien zu finden war. Von der Fotografie zur SP gab’s dann Chinesenzeichen, die nach der Fotografie des Zielpunktes der SP im Roadbook eingeheftet waren. Kompliziert nicht? Jedenfalls hab ich die SP 3 von Harrachstal nach Kaltenberg überhaupt überlesen, wir sind dort direkt nach Kaltenberg gefahren. Am Weg dorthin haben wir auch Werner Gassner überholt, der dort eigentlich auch nicht sein sollte,  und haben dann allerdings die SP, die, wie erwähnt nach dem Ziel eingeheftet war, aber nach dem Startbild beginnen hätte sollen, natürlich nicht gefunden. Nach einem kurzen Telefongespräch, langem Ärger meinerseits und 50 Minuten! zu spät in der SP waren wir wieder am richtigen Weg. Dass wir in der SP 2 bereits einen „Nuller“ geschrieben haben,  wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.  

Vielleicht sollte ich mal beim Anfang beginnen. Vier Teams, ein Opel Commodore mit Werner Gassner am Steuer, Heiko Dlugos mit dem 911-er, Herbert Margreiter und der 75-er Alfa, sowie mein Pilot Peter Wenger mit seinem gelben Escort RS 2000, fanden sich zur Brettljause im Gasthof Luger an der Donau (nomen est omen) bei Engelhartszell ein. Im  Gegensatz zu den Erkundungsfahrten im Herbst, wo die Veranstalter die Durchfahrtszeiten ausgearbeitet haben, waren die Verhältnisse tief winterlich. Nach dem Start um Mitternacht ging’s bis zur Tschechischen Grenze, dort waren wir zum ersten, aber nicht letzten mal froh über die Entscheidung, die Spikes montiert zu haben. Als Novum gab es eine Frühstückspausemi t einstündiger Zwangsrast in Öd im Oldtimer-Cafe. Wegen der winterlichen Streckenverhältnisse und der Schwierigkeiten bei der Streckensuche wurde die Pause um eine Stunde verschoben. Heiko hatte leider sein Telefon abgeschaltet und gönnte sich daher nur einen kurzen Tankstopp. Dies führte später zu starkem Unterzucker, verstärkt auch durch die fehlende Heizung im 911-er.  Von Öd ging es dann nach Süden über den Erzberg nach Trofaiach zur wahrscheinlich entscheidenden SP Hiaselegg. Diese führte über eine nicht geräumte Bergstrasse nach Tragöß.  Als das Heck des tapferen Escorts plötzlich nach rechts Richtung Graben rutschte, und von Vortrieb keine Spur mehr übrig blieb, trat blitzschnell Plan B in Kraft, ich stieg aus und wollte mich, wie vor einem Jahr bei der Salz und Öl, in den Kofferraum setzen, leider hat Peter das Schloss des Kofferraumes nicht ausgebaut, so konnte ich mich nur wie eine Kröte auf den Deckel legen und mich ohne Handschuhe an der Regenrinne festhalten. Ein wenig Schieben und die Füße wegen der Hebelwirkung ganz nach hinten strecken, ersparten uns den Plan C = Schneeketten anlegen. Herbert und Susi erlebten dort ihr persönliches Waterloo. Die Ketten sind gerissen und es gab keinen Telefonempfang, was einen zweistündigen  „Spaziergang“ zum nächstgelegenen Bauernhof nötig machte. Zum Glück war das Wetter dort mit strahlendem Sonnenschein ausgezeichnet. Trotz dieses Missgeschickes blieben die Beiden ihrem Vorsatz, alle Punkte anzufahren, treu.  

Ein wirklicher Höhepunkt war dann die Überfahrung des Niederalpl bei strahlendem Sonnenschein und griffiger Schneepiste, wenn da nicht der Benzinanzeiger gewesen wäre.  O-Ton Peter W. „Ich wett mit Dir um ein Bier, dass nach dem Lahnsattel vor Mariazell noch eine Tankstelle kommt.“ Liebend gerne hätte ich diese Wette verloren, nur kannte ich die Strecke von früher her noch sehr genau, daher mussten wir 20 Minuten Umweg über Mariazell einlegen, bevor wir zum malerischen Hubertussee fahren konnten und das „leicht“  zu findende Tunnel fotografieren konnten. Das nächste unvergessliche Erlebnis war dann die PK Erlaufboden und die Durchfahrung der Wintersperre Richtung Puchenstuben, wo sonst nur mehr Jäger im unvermeidlichen Suzuki anzutreffen waren. Die schroffe Landschaft des Naturparks Tormäuer war besonders eindrucksvoll, weil wir mit durchdrehenden Rädern und Schrittgeschwindigkeit viel Zeit hatten, die Abgründe zu betrachten.  Das Ziel bei den „Drei Hacken“ in Ysper erreichten wir dann als erstes mit 13:45 reiner Fahrtzeit. Über eine Stunde später kam dann Werner Gassner, der allerdings wegen einer Unregelmäßigkeit in der SP 3 auf dem dritten Platz hinter Heiko im 911-er gewertet wurde.  Das Abendessen verzögerte sich dann leider, weil wir doch etwas länger auf die vollkommen erschöpfte Besatzung des Salzburger Alfas warteten. Rückblickend waren es 650 spannende Kilometer, die für die Fahrer, Beifahrer und auch die Autos eine richtige Herausforderung darstellten. Ein riesiges Lob an die Veranstalter, es ist eigentlich für einen Außenstehenden nicht erklärbar, wie man mit nur drei! Personen so eine große Veranstaltung mit 5 geheimen Sonderprüfungen auf die Beine stellen kann. Ich bin jedenfalls nächstes Jahr wieder dabei. Hoffentlich mit Lenkrad und nicht Tripmaster vor der Nase.

 Manfred