ernst

 
Jeder Krämer lobt seine Ware ,…….

……auch wenn diese in vielen anderen Geschäften ebenso angeboten wird. Und wo kaufen die Kunden dann die Ware, und warum? Weil sie in der Nähe zu Hause sind, weil dieser Krämer am lautesten schreit, weil das, was (fast) alle kaufen, sicher nicht schlecht sein kann, usw.? Sind wir so berechenbar, kaufen wir aus Bequemlichkeit und Gewohnheit immer weiter nur das, was wir kennen?

Auf den Sport mit historisch wertvollen Fahrzeugen – Oldtimer klingt so bieder und museumsreif – umgelegt: fahren wir immer dieselben Veranstaltungen, weil wir sie kennen, weil sie die anderen fahren und weil, sinnbildlich gesprochen, die „Seitenblicke“ zeitweise vorbeischauen? Auch wenn uns die Ware nicht mehr wirklich gefällt?

Die „Gleichgültigkeit“ hat einerseits eine Perfektion erreicht, die bereits schwer vorstellbare Ausmaße der Vorbereitung vor und während der Veranstaltung erfordert, und andererseits in Bereiche vorstößt, die man unter Kaffeesudlesen einordnen kann. Ich könnte hier jetzt die unzähligen „Parameter“ der Schnittberechnung- und –einhaltung auflisten und die Vermutungen über die Befindlichkeit des Veranstalters beim Konzipieren, Kilometrieren und Verstecken der Messstellen, doch wir verlieren doch nur das Ziel aus den Augen: Wir wollen unsere historisch wertvollen Fahrzeuge angemessen bewegen, den Reiz des Wettbewerbs spüren und im richtigen Sinn des Begriffes beweglicher als die Mitwerber sein.

Wenn „man“ auf die Gleichgültigkeitsveranstaltungen der letzten zwei, drei Jahre schaut, bleiben einem nur „Raunzereien“ über die Veranstalter, die Umgebungsbedingungen, die Verwendung unerlaubter Hilfsmittel, zu viel Verkehr und teilweise verrückte Bedingungen im öffentlichen Straßenverkehr in Erinnerung – oder das genaue Gegenteil, weil die Touristik den Wettbewerb in den Hintergrund gedrängt hat. Der Spagat zwischen wettbewerbsorientierten und touristisch geprägten Anforderungen ist unmöglich geworden, denn entweder verstehen die Hälfte der Teilnehmer nur „Bahnhof“ bei den Anforderungen oder die wenigen Prüfungen sind das Nenngeld nicht wert.

Lassen wir die touristischen Veranstaltungen beiseite - das Roadbook im Internet, einförmige Sonderprüfungen, endlose Etappen, sponsorgetriebene Fahrtstrecken sind nicht die erwünschten Voraussetzungen – schauen wir auf die Top-Gleichgültigkeitsbewerbe: Das Roadbook als Bibel, unzählige Tabellen mit eingetragenen Landmarks und zugehörigen Durchfahrtszeiten, mehrere Stoppuhren – hat da noch einer Zeit auf eine Straßenkarte zu schauen? Und wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, dann ist das Chaos pur, weil das Roadbook die Teilnehmer zu Laborbedingungen durch die Gegend führt. (Exkurs: Als ich 2008 bei Wien – Triest als Fahrtleiter eine unpassierbare Etappe in Slowenien streichen musste und den Teilnehmer anhand der Straßenkarte den Weg zur 40 km entfernten nächsten Kontrolle erklären wollte, hatten 60% der Teilnehmer keine Straßenkarten mit, aber einige verbotene Navigationsgeräte!)

Es müssen stets die vorgekauten, allseits bekannten Anforderungen sein, die vollständig erfüllt werden müssen. Improvisation als Fremdwort.

•  Navigation mit Karte – igitt

•  Durchfahrtskontrollen, die nicht mit rotem Teppich und Betreuung versehen sind – igitt, igitt

•  Abwägen von möglichen, zu erwartenden Pönalisationen gegeneinander, weil nicht alle Anforderungen in der vorgeschriebenen Zeit zu erfüllen sind – igitt, igitt, igitt

•  Straßen mit vielleicht nicht immer autobahnähnlichem Belag - shocking

•  Tages- und Nachtzeiten, wo man besser in der warmen Stube bei Kaffee und Kuchen sitzt.

Es ist mir bewusst, das die obige Darstellung eine einseitige ist. Nicht jeder, der solche Herausforderungen vermeidet, muss ein Warmduscher oder Schattenparker sein.

Sie befinden sich auf der Homepage des Waldviertler Rallyeclubs, der solche Bewerbe seit einigen Jahren mit Erfolg organisiert. Doch leider dringt der Ruf der Veranstaltungen nicht ausreichend in die einschlägige Szene, und wenn, dann meist als halbe Horrormeldungen. Sie sollten sich davon nicht abschrecken lassen, denn der Schecken wächst mit dem Quadrat der Entfernung. Einmal aus der Nähe betrachtet, zugeschaut, mit Teilnehmern gesprochen „relativiert“ den Horror – Sie selbst bestimmen, wie verrückt Sie sind. Lösen Sie sich von dem Zwang, dass Sie alle Anforderungen wie bisher „geübt“ in der vorgeschriebene Zeit unbedingt erfüllen müssen, sonst geht die Welt unter. Ihre Konkurrenten stehen vor denselben Aufgaben und Problemen, es sind nicht Sekundenbruchteile, die zählen – es können auch Viertelstunden sein. Schauen Sie auf die Ergebnisse der letzten Jahre.

Kartenlesen ist kein Geheimnis – in der guten alten Zeit gab es kein Roadbook – Karte studieren, Strecke festlegen und los geht's. Ihre Mitbewerber wissen zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr als Sie. Und müssen Sie jede Passierkontrolle, „Stumme Wächter“ anfahren und in die Bordkarte eintragen, wenn Ihnen dann am Ende der Etappe die Zeit „ausgeht“? Vergleichen Sie die Pönalisation und fahren Sie ohne Skrupel an dem Taferl vorbei, der Beifahrer wird es Ihnen danken, dass er sich nicht x-mal ab- und wiederanschnallen und mit nassen Schuhen im Dreck herumrennen muss. Dafür habe Sie in der Etappe keine Verspätung, weil das mehr zählt als eine verpasste PK.

Wenn Sie noch Bedenken haben, die Risiken die Anforderungen im normalen Straßenverkehr zu erfüllen, sind dem Veranstalter wohl bewusst, doch durch begleitende Maßnahmen werden diese Risken deutlich reduziert:

•  Jahreszeit

•  Tages- bzw. Nachtzeit

•  gewählte Strecke abseits vielbefahrener Straßen

•  Streckenlänge und Fahrtzeiten

•  vorgeschriebener Zeitplan und vernünftige Pönalisierung

•  Verlegung der ergebnisrelevanten Prüfungen auf nichtöffentliche Straßen

•  Vorbereitete Assistenz.

Studieren Sie die Teilnehmerlisten, Sie kennen sicher einige Teilnehmer und fragen Sie diese, wie's war. Wenn Sie Ihren automobilen Schatz diese Ausfahrt zutrauen, werden Sie viel Spaß zu vertretbaren Preisen erleben. Und sicher keine 08/15-Ware wie bei vielen anderen Krämern.

E. Marquart / 10.2009