ernst

Zwei Männlein stehen im Walde …

 

ganz still und stumm. Sagt, wo mag der Wald wohl sein, wo die Männlein warten auf der Lichter Schein?

Natürlich ist der Wald im Waldviertel und die Männlein haben auf die Teilnehmer der 7. Wald4tel Classic gewartet.

 

Über die Konzepte der Waldviertler Trolle habe ich schon ausreichend geschrieben, so beschränke ich mich diesmal auf die frostigen Tatsachen. War die Donau Historik 2010 (ungeplant) eine Winterveranstaltung, so war die Wald4tel-Classic 2011 mit Absicht ein Wintervergnügen. Termin und Geographie sollten den Rahmen sicherstellen, die Wettbewerbsbedingungen die Fahrt zum Vergnügen machen.

 

Zwanzig Unentwegte, darunter viele Wiederholungstäter, hatten sich am 28. Jänner 2011 im Gasthof „Drei Hacken“ in Ysper im südlichen Waldviertel eingefunden und harrten der Überraschungen, die Andi Starkmann und Gerhard König für sie vorbereitet hatten. Minus 6 Grad beim Start um 22:00 Uhr, fast sternenklare Nacht und ausreichend winterliche Straßen waren die klimatischen Bedingungen für die erste Runde.

 

Der Fuhrpark der Teilnehmer hat sich in den letzten Jahren etwas geändert, um den Spaß sicher zu stellen. Fahrzeuge bis Baujahr 1980 waren zugelassen, nur noch drei der genannten hatten Frontantrieb. Gepflegtes Querfahren geht allemal leichter und nervenschonender mit Heckantrieb; dazu kommen Robustheit und Kosten der Hecktriebler, wer will schon hochpreisige, grazile Prinzessinnen oder Prinzen dem Winterstress aussetzen? So ließen beispielsweise zwei Teilnehmer aus Salzburg ihre Fulvias in den Garagen und traten mit Ford Escort und BMW 2002 an.

 

Die Nachtrunde führte in vier Etappen nach Roadbook über 220 km, es gab keine Sonderprüfungen, nur Zeit- und Passierkontrollen in Form von „Stummen Wächtern“ (= „Baumaffen“). Die zu fahrenden Schnitte lagen unter 50 km/h und die Etappen schienen lang genug, um Hektik zu vermeiden. Nach der zweiten Etappe gab es Mitternachtsverpflegung in Liebenau bevor es zurück nach Ysper ging, wo der erste Teilnehmer um 2 Uhr früh eintraf. Ihr Berichterstatter war als orientierungsloser Beifahrer eines lieben Freundes an einigen Stellen zuschauen – daher auch der sinnige Titel des Berichtes – und genoss die unverfälschte nächtliche Rallyeatmosphäre.

 

Am nächsten Vormittag war zu gut bürgerlicher Zeit um 10:00 vormittags Start bei traumhaftem Winterwetter (blauer wolkenloser Himmel, minus 7 Grad) zur Tagesetappe: vier Teiletappen über 300 km. Bei Tageslicht wurde die Schraube deutlich fester angezogen: Roadbook gemischt mit Karten, auf welchen drei anzufahrende Punkte angezeichnet waren, Vexierbildern, Passierkontrollen in Form von „Stummen Wächtern“ und vier Sonderprüfungen waren zu absolvieren. So waren z.B. auf der Rallyecross-Strecke auf dem Nordring in Fuglau waren zwei Runden zeitgleich zu fahren = Rutschpartie mit wechselnden Straßenverhältnissen in einem vorgegeben Zeitfenster.

 

Nachmittags gegen 16:00 Uhr tröpfelten die noch im Bewerb befindlichen elf Teilnehmer wieder bei den „Drei Hacken“ in Ysper ein, um gespannt der Ergebnisauswertung zu harren. Bei der Siegerverherrlichung war Ihr Berichterstatter bereits wieder zu Hause an seinem Schreibtisch, um die Geduld von Veranstalter und Teilnehmern mit bedingt gescheiten Fragen nicht weiter herauszufordern. Die Ergebnisse waren für die Nichtanwesenden einen halben Tag später im Internet, der Wanderpokal hat endgültig das Haus verlassen, widmungsgemäß ging er an den nun dreifachen Sieger – und das war 2011 Ing. Franz Brachinger mit Beifahrer Otmar Schlager auf BMW 2002tii.

 

Es war für alle Beteiligten und für zwei Unbeteiligte ein großer Spaß, herrlich unbeschwertes Autofahren auf einsamen winterlichen Straßen, nicht eingeengt durch ausgetüftelte, schwer zu überwachenden Regeln – Fahrer und Beifahrer wurden ordentlich gefordert, und das fast ohne Stoppuhr, aber mit Taktik, Pfadfindertalent und ausreichend schwerem Gasfuß.

 

 

E. Marquart / 2.2011